Übers Lektorat geistern etliche Mythen durch die Buchbubble. Wenn ich einen roten Faden durch alle ziehen müsste, wäre es der hier: Viele Erwartungen an sind eigentlich Erwartungen an Sicherheit. An einen magischen Moment, in dem alles fertig ist, alles stimmt und niemand mehr Kritik hat. Nur: Bücher entstehen nicht so. Sie entstehen über drölftausend Entscheidungen, die du als Autor:in selbst treffen darfst – und das Lektorat hilft dir, diese Entscheidungen klarer, bewusster und wirkungsvoller zu treffen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Und das ist am Ende die gute Nachricht: Du musst nicht hoffen, dass „die Lektorin es richtet“. Du hast es selbst in der Hand, dich dahin zu bringen, wo du mit deinem Buch hinwillst. Mit professioneller Unterstützung – wenn du es möchtest.

Achtung, Lektorats-Mythen!

Viele Autor:innen zögern ein Lektorat hinaus – nicht, weil sie keins brauchen, sondern weil sie falsche Vorstellungen davon haben.
„Danach klingt mein Text nicht mehr nach mir.“
„Ein Lektorat ist nur was für Verlagsautor:innen.“
„Die Lektorin sagt mir, was ich falsch mache.“

Die Wahrheit ist: Ein gutes Lektorat nimmt dir nichts weg – es bringt das zum Vorschein, was in deinem Text bereits steckt. Es macht deine Geschichte klarer, stimmiger und wirkungsvoller, ohne sie umzuschreiben.

Du behältst immer das letzte Wort.
Lektorat ist Zusammenarbeit, kein Urteil.
Ziel ist kein „perfekter“ Text – sondern ein Text, der trägt.

Mythos 1: Das Lektorat ruiniert meinen Stil – und ich verliere meine Stimme

Das ist der Klassiker unter den Mythen über das Lektorat. Und er kommt vermutlich oft von einer echten Angst: „Wenn jemand an meinem Text rumschraubt, verliert er seine Stimme – und damit mich.“

Was wirklich stimmt: Gutes Lektorat ist keine Stil-Uniform, sondern vielmehr ein Stimmtraining. Es geht darum, deine Sprache klarer, präziser und wirkungsvoller zu machen – ohne dass du dich darin fremd fühlst. Als Lektorin schraube ich auf keinen Fall an deinem Stil herum, ich helfe dir höchstens, ihn noch deutlicher herauszuarbeiten. Was du mit meinen Hinweisen machst, entscheidest am Ende immer du. Damit hältst du das Zepter stets in der Hand und wirst niemals „fremdgesteuert.“

Damit ich dich besser beraten kann, was deinen Stil betrifft, sprechen wir vorher und ich lasse mich von dir briefen: Wie soll der gewünschte Ton sein, wer ist deine Wunsch-Zielgruppe, was sind für dich No-Gos, wer sind deine Lieblingsautor:innen und welche Form der Rückmeldung ist für dich am passendsten?

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Mythos Nr. 2: Nach dem Lektorat wird mein Buch ein Bestseller

Dieser Mythos über das Lektorat ist fies, weil er sich so logisch anfühlt: „Wenn es gut lektoriert ist, muss es gut sein – und wenn es gut ist, wird es gekauft.“ Ach, wäre das schön.

Was wirklich stimmt: Ein Lektorat ist ein Qualitätshebel, aber leider kein Bestseller-Zauberstab. Erfolg hängt an vielen weiteren Aspekten, zum Beispiel an Genre-Erwartungen, der Passgenauigkeit und Qualität des Covers, einem verkaufsstarken Klappentext, einer aussagekräftigen Leseprobe, Sichtbarkeit, Marketing, Timing – und ja, manchmal auch schlicht Glück. Was ein Lektorat allerdings kann: die größten Stolperstellen in einem Manuskript entlarven, Hinweise zur Zielgruppentauglichkeit geben, die Leserführung verbessern, den Sog erhöhen oder die Sprache glätten. Aber ein Bestseller-Versprechen – leider nein.

Mythos Nr. 3: Lektorat ist doch nur Korrekturlesen

Viele benutzen „Lektorat“ als Sammelbegriff für alles, was irgendwie mit „Text professionell machen“ zu tun hat. Und ja: Das ist verständlich – sorgt aber regelmäßig für Frust, weil plötzlich Erwartungen aufeinanderprallen. Tadaaa – noch einer der Mythen über das Lektorat.

Was wirklich stimmt: Lektorat ist eigentlich kein Korrekturlesen. Lektorat und Korrektorat sind zwei verschiedene Dinge. Korrektorat kümmert sich um Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Lektorat geht (je nach Schwerpunkt) tiefer: Stil, Lesefluss, Logik, Dramaturgie, Figurenentwicklung, Konsistenz, Figurenstimme, Ton, Zielgruppenpassung – kurz: Wirkung. Beides sind hilfreiche Dienstleistungen auf dem Weg zur Veröffentlichung im Selfpublishing. Im Lektorat werden Rechtschreib- und Kommafehler zwar auch oft mitkorrigiert, wenn sie auffallen, es wird aber nicht explizit Korrektur gelesen. Deshalb rate ich immer dringend dazu, nach dem Lektorat noch ein professionelles Korrektorat zu buchen.

Mythos Nr. 4: Lektorat kann ich mir sparen – ich habe Testlesende

Viele denken: „Feedback ist Feedback.“ Und natürlich kann man mit Testleser:innen und Tools schon wahnsinnig viel erreichen – wenn man weiß, wofür man sie nutzt.

Was wirklich stimmt: Für mich gibt es unterschiedliche Testlesende, ich unterscheide gern zwischen Profi- und Zielgruppen-Testlesenden. Profis sind zum Beispiel Menschen, die mit dem Schreibhandwerk vertraut sind und dir sagen können, warum der Konflikt auf Seite 48 nicht funktioniert und mit welchen Griffen du den optimieren könntest. Zielgruppen-Testlesende sind super für die Wirkung deines Manuskripts im Allgemeinen („Hier war ich verwirrt“, „Da hatte ich Gänsehaut“). KI kann Muster finden, Wiederholungen markieren, Varianten vorschlagen. Aber menschliche Originalität? Fehlanzeige.

Freund:innen oder Tante Erna, die früher mal Deutschlehrerin war, helfen oft beim Mutmachen. Was ihnen meistens fehlt: Systematik, Handwerk, Distanz und Zielgruppenbrille – plus die Fähigkeit, nicht nur zu sagen, was hakt, sondern auch, warum und wie du es zuverlässig reparierst. Was ich empfehle: Mache unbedingt VOR dem Lektorat eine Testleser-Runde mit beiden Typen (wenn es geht). Dann ist dein Text sehr gut auf das Lektorat vorbereitet. Ersetzen kann es das meines Erachtens nicht.

Mythos Nr. 5: Nach dem Lektorat ist mein Text garantiert fehlerfrei

Das klingt so schön nach „abgeben – zurückbekommen – fertig“. Und ich verstehe total, warum man das hoffen will: Gerade nach Monaten (oder Jahren) am Manuskript wünscht man sich diesen Moment, in dem endlich Ruhe ist.

Was wirklich stimmt: Ein gutes Lektorat/Korrektorat reduziert Fehler massiv – aber 100 % Fehlerfreiheit sind kein seriöses Versprechen. Texte sind lebendig: Durch Änderungen entstehen neue Tippfehler, Satzzeichen wandern, Wörter werden ersetzt, und irgendwo versteckt sich immer noch ein „und und“. Die Fehlerfreiheit eines Buches ist ein Mythos.

Mythos Nr. 6: Lektorat ist viel zu teuer und lohnt sich nicht

Dieser Gedanke taucht oft dann auf, wenn Autor:innen zum ersten Mal konkrete Zahlen sehen. Plötzlich steht da kein symbolischer Betrag mehr, sondern eine Summe, die man spürt – und oft stellt sich die Frage: Ist mein Buch das wirklich wert? Kann und will ich das Geld dafür ausgeben?

Was wirklich stimmt: Klar, ein Lektorat ist eine Investition. Und es gibt natürlich auch Schreibende, die es sich schlicht nicht leisten können. Aber es ist keine Massenleistung, sondern hochkonzentrierte Einzelarbeit von Textprofis. Viele Stunden Lesen, Analysieren, Kommentieren, Abwägen, Erklären – oft in mehreren Durchgängen. Der Preis wirkt hoch, wenn man ihn nicht hinterfragt oder mit einem Produkt vergleicht. Er wird nachvollziehbar, wenn man versteht, dass man für Zeit, Erfahrung, Textkompetenz und einen professionellen Außenblick zahlt. Und wenn man ihn auf die angefallenen Arbeitsstunden umrechnet. Für alle mit kleinem Budget gibt es übrigens auch Teil-Lektorate, Plot-Gutachten oder Ratenzahlung, wenn du den Betrag nicht auf einmal stemmen kannst oder möchtest.

Die eigentliche Abwägung: Ein Lektorat lohnt sich vielleicht nicht für jedes Projekt – aber für jedes Buch, das ernsthaft gelesen, empfohlen und weiterempfohlen werden soll. Warum sonst gehen Bücher von Bestseller-Autor:innen niemals ohne Lektorat in den Verkauf? Ein Lektorat lohnt sich auch, wenn du dich als Autor:in künstlerisch weiterentwickeln möchtest. Ein Lektorat ist eine Investition in dein Schreiben, in deine Karriere als Autor:in. Und wenn du wenig Budget hast, finden wir auch eine Lösung. (Über noch viel mehr Gründe, die für ein Lektorat sprechen, habe ich diesen Blogartikel geschrieben)

Mythos Nr. 7: Nur Schreibanfänger brauchen ein Lektorat

Dieser Mythos über das Lektorat hält sich erstaunlich hartnäckig – und er ist eng verknüpft mit dem Wunsch, irgendwann „gut genug“ zu sein. Nach dem Motto: Wenn ich Erfahrung habe, mehrere Bücher geschrieben habe oder schon veröffentlicht wurde, dann brauche ich kein Lektorat mehr. Das wär toll, oder?

Was wirklich stimmt: Gerade erfahrene Autor:innen nutzen Lektorate oft sehr gezielt. Nicht mehr als „Rettungsring“, sondern als Sparringspartner auf Augenhöhe: für Feinjustierung von Stil, für blinde Flecken, für Tempo, Ton und Wirkung. Übrigens: Bestsellerautor:innen, Verlagsautor:innen und Serienautor:innen arbeiten fast immer mit Lektor:innen zusammen – nicht, weil sie es müssten, sondern weil sie wissen, dass Texte im Dialog besser werden. Wenn also kein Buch von den Superprofis Sebastian Fitzek oder Jojo Moyes ohne Lektorat in den Verkauf geht, warum solltest du dann darauf verzichten?

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