Du bist noch neu in der Buchwelt und möchtest einen Roman schreiben? Vielleicht hast du schon ein paar Kapitel geschrieben und das Gefühl: Irgendwas bremst die Geschichte aus. Die Spannung fehlt, die Figuren wirken blass oder die Handlung kommt nicht richtig in Gang. Keine Sorge: Genau hier passieren die typischen Anfängerfehler beim Romanschreiben. Und sie haben nichts mit fehlendem Talent zu tun – sondern mit Handwerk.

In diesem Artikel zeige ich dir die fünf häufigsten Anfängerfehler beim Romanschreiben und erkläre dir Schritt für Schritt, wie du sie vermeidest. Damit dein Roman nicht stecken bleibt, sondern wirklich lebendig wird.

Roman-Realitätscheck für Einsteiger

Viele Anfängerfehler beim Romanschreiben haben nichts mit Talent zu tun – sondern mit fehlender Struktur. Wenn deine Geschichte gerade nicht rundläuft, prüfe diese fünf Kernfragen:

🔅 Erklärst du viel – oder zeigst du, was passiert?
Gibt es lange Info-Absätze statt lebendiger Szenen (Show don’t tell)?
🔅 Bleibst du in einer klaren Perspektive?
Oder springst du willkürlich zwischen den Köpfen hin und her?
🔅 Hat deine Hauptfigur ein konkretes und messbares äußeres Ziel?
Kannst du es in einem klaren Satz formulieren?
🔅 Steht wirklich etwas auf dem Spiel?
Tut es weh, wenn deine Figur mit ihrem großen Ziel scheitert?
🔅 Gibt es echte Widerstände?
Muss deine Figur kämpfen, um ihr Ziel zu erreichen – innerlich und äußerlich?

Wenn du hier bei einem Punkt ins Stocken gerätst, hast du deinen nächsten Überarbeitungsschritt gefunden.

Fehler Nr. 1 beim Romanschreiben: Du erklärst zu viel

Viele Schreibanfänger wollen, dass die Leser:innen alles sofort verstehen: die komplette Familiengeschichte, die Regeln der Fantasywelt, die politische Lage, das Trauma aus der Kindheit der Hauptfigur oder den Stammbaum der Nebenfiguren. Und dann liefern sie absatz- oder blockweise Hintergrund-Informationen, besonders am Romananfang. Ist eigentlich total nachvollziehbar, denn schließlich haben sie vor dem Schreiben ausführlich recherchiert, Figuren entworfen, eine Buchwelt konzipiert. Das alles kennt die Leserschaft noch nicht, also will man es erklären, damit nichts dem Zufall überlassen wird.

Warum ist das ein Fehler?

Weil dein Roman kein Referat und kein Wikipedia-Artikel ist. Es geht nicht darum, möglichst viele Infos zu liefern, die alles erklären, sondern eine spannende Geschichte zu erzählen. Wenn du alles erklärst, entstehen bei den Leser:innen keine Bilder im Kopf. Und keine Emotionen. Wenn du alles vorkaust, nimmst du deinem Roman das Geheimnis und killst das Bedürfnis, weiterlesen zu wollen.

Sogenannter „Infodump“ reißt aus dem Lesefluss, denn er wirkt oft störend, da die geballten Informationen nicht alle in der jeweiligen Situation gebraucht werden. Infodump ist keine Handlung, sondern eigentlich das Gegenteil – er ist ein „Loch“ in der Handlung, durch das die Pläne der Schreibenden sichtbar werden. Es ist ja gerade dein Job als Autor:in, aus einem Konzept (Lara war traurig, Fanny hat diese oder jene Persönlichkeit, die Mutter hat die Gewohnheit X) Handlung zu machen. Als Autor:in bist du außerdem nicht Teil der Geschichte und kannst dich deshalb nicht erklärend einschalten.

Beispiel für zu viele Erklärungen: Lara war traurig, weil sie als Kind von ihrem alkoholsüchtigen Vater verlassen worden war.

So vermeidest du diesen Fehler beim Romanschreiben

Spannung und Kopfkino entstehen nicht durch mehr Infos, sondern unter anderem durch gezielt fehlende Informationen. Durch Andeutungen und Auslassungen. Und: Dadurch, dass du Dinge zeigst und erlebbar machst. Deine Leser:innen wollen deine Geschichte entdecken, sie möchten mitfühlen, miträtseln und mitfiebern. Und selbst zu dem Schluss kommen: Aha, Lara war traurig, weil sie als Kind von ihrem alkoholkranken Vater verlassen worden war. Ohne dass du das erklärst. Sondern indem du es in Form von Handlung, Mimik und Gestik zeigst („Show don’t tell“). Wenn es zum Beispiel eine Szene gibt, in der Lara ihren Vater in der Kneipe lachen sieht, als wäre nichts gewesen, und sich in ihr alles zusammenzieht. Dann entstehen plötzlich Fragen und Gefühle: Warum diese Reaktion? Was ist passiert? Und genau diese Fragen halten deine Leser:innen bei der Stange.

  • Starte beim Schreiben also mitten in einer Szene, nicht mit Hintergrundwissen.
  • Gib Infos nur dann und vor allem häppchenweise, wenn sie für die aktuelle Situation relevant sind.
  • Frag dich bei jeder Erklärung: Muss der Leser das jetzt wirklich wissen – oder kann er es später in Form von Handlung entdecken?
  • Wenn’s beim Schreiben zu leicht von der Hand geht, ist das oft ein Warnsignal

Fehler Nr. 2 beim Romanschreiben: Du wechselst wahllos zwischen den Perspektiven

Warum ist das ein Fehler?

Weil Perspektivsprünge Orientierung kosten und die Leser:innen verwirren. Gerade am Anfang passiert das häufig: Du startest aus Sicht deiner Hauptfigur – und zwei Absätze später weiß diese plötzlich, was der Nebencharakter denkt. Das nennt man „Head Hopping“. Und es reißt Leser:innen aus der Geschichte. Der Wechsel zwischen den Perspektiven „unterwegs“, ohne Kapitel- oder Szenenwechsel wirkt distanzierend und verhindert das Verschmelzen mit der Perspektivfigur, weil man als Leser:in überall und nirgends ist und nie weiß, wann man wieder „umgetopft“ wird.

So vermeidest du diesen Fehler beim Romanschreiben

  • Entscheide dich pro Szene oder Kapitel für eine klare Perspektive (am besten für die Figur, für die am meisten auf dem Spiel steht)
  • Bleibe konsequent in dieser Figur, in ihrer Wahrnehmung, ihren Gedanken und Gefühlen. Zeige nur das, was diese Figur denkt, sieht, fühlt, hört … Alles andere zeigst du aus der Wahrnehmung der Perspektivfigur heraus.
  • Wenn du in die Perspektive einer anderen Figur willst: Mach einen klaren Szenen- oder Kapitelwechsel.

Fehler Nr. 3 beim Romanschreiben: Deine Hauptfigur verfolgt kein klares Ziel

Warum ist das ein Fehler?

Ohne Ziel gibt es keine Richtung. Und ohne Richtung keine Geschichte. Wenn deine Hauptfigur einfach nur „so vor sich hinlebt“, fehlt der Motor. Denn deine Leser:innen wollen wissen: Was will diese Figur konkret erreichen? Den Abteilungsleiter-Posten? Den Schatz heben? Den Mörder stellen? Den Vater finden? Erst durch ein konkretes, äußeres und messbares Ziel entstehen Bewegung, Spannung und Erwartung. Ohne konkretes Ziel wabert die Geschichte nur so vor sich hin und man fragt sich schnell: Was soll das hier eigentlich? Worauf läuft das hinaus?

So vermeidest du diesen Fehler beim Romanschreiben

Formuliere einen Satz mit dem konkreten Ziel deiner Hauptfigur. Meine Hauptfigur will … Zum Beispiel: Gisela will den Beweis finden, dass ihr Bruder unschuldig im Gefängnis sitzt. Das Ziel deiner Hauptfigur sollte auf einer äußeren Handlungsebene messbar, konkret und (theoretisch) erreichbar sein. Für die Figur sollte es das wichtigste Ziel überhaupt sein, sie sollte es wirklich und dringend erreichen wollen.

Fehler Nr. 4 beim Romanschreiben: Für deine Hauptfigur steht nichts auf dem Spiel

Warum ist das ein Fehler?

Weil ohne Risiko keine Spannung entsteht. Wenn deine Figur nichts zu verlieren hat, wird deine Geschichte nur mau. Dann interessiert sich im schlimmsten Fall niemand für dein Buch. Und das wollen wir ja nicht! Stell dir vor, deine Figur will einen Gesangswettbewerb gewinnen. Und wenn sie verliert? Tja, dann probiert sie es nächstes Jahr nochmal. Das ist nicht besonders spannend, oder?

So vermeidest du diesen Fehler beim Romanschreiben

Spannung entsteht, wenn Konsequenzen wehtun und wenn für deine Figur etwas sehr Wichtiges auf dem Spiel steht, sollte sie ihr Ziel nicht erreichen. Stell dir vor, deine Figur will den Gesangswettbewerb gewinnen, weil sie das Preisgeld für die lebenswichtige OP ihrer kleinen Schwester braucht. Spürst du den Unterschied? Genau, jetzt steht etwas auf dem Spiel. Jetzt entsteht Spannung und das Bedürfnis in den Leser:innen, wissen zu wollen, ob sie es schafft. Ob sie ihre kleine Schwester retten kann. Im Idealfall verbindet die Fallhöhe die äußere Handlungsebene mit einer inneren Ebene, wo es der Figur wirklich wehtut.

Fehler Nr. 5 beim Romanschreiben: In der Geschichte gibt es keine Konflikte

Warum ist das ein Fehler?

Weil Harmonie keine Geschichte trägt. Wenn alle nett sind, alles klappt und Probleme sich sofort lösen – warum sollte jemand weiterlesen? Konflikte sind der Treibstoff deines Romans. Damit unterscheidet sich die Romanwelt ganz deutlich von der realen Welt. Denn dort können wir keine Konflikte gebrauchen. Wir meiden sie sogar! Im echten Leben wollen und brauchen wir Harmonie und möglichst wenig Konflikte. Und deshalb glaube ich auch, dass viele Schreibanfänger sich scheuen, ihren Figuren und ihrer Romanhandlung so viel Konfliktpotenzial wie möglich mitzugeben. Aber im Roman sind Konflikte entscheidend! Und zwar ständig! Konflikt meint übrigens nicht zwangsläufig Streit oder Diskussion. Konflikt bedeutet: Figur will etwas und kriegt es nicht sofort (= Konflikt).

So vermeidest du diesen Fehler beim Romanschreiben

Baue für deine Figuren viele und sich steigernde Hindernisse auf dem Weg zu ihrem Ziel ein. Hindernisse, die wirklich Widerstand leisten, wo die Figur sich anstrengen muss, ein Risiko eingehen und sich überwinden muss. Lass deine Figuren schwierige Entscheidungen treffen. Entscheidungen zwischen zwei Dingen, die beide dramatische Konsequenzen mit sich bringen würden. Pest oder Cholera – wie würde sich deine Romanfigur entscheiden und warum? Gib deiner Geschichte nicht nur äußere Konflikte (Rivalin im Kampf um den Abteilungsleiter-Posten oder Ex-Freundin, die auch um die Gunst des Liebhabers kämpft), sondern dichte deinen Figuren auch innere Konflikte an (etwa Zweifel, Ängste oder widersprüchliche Wünsche).

Fazit: So startest du wirklich leicht und schnell mit dem Romanschreiben

  • Erkläre nicht alles – wecke Neugier.
  • Bleib in einer klaren Perspektive.
  • Gib deiner Hauptfigur ein konkretes und messbares Ziel.
  • Sorge dafür, dass etwas auf dem Spiel steht.
  • Streue echte Konflikte in deine Geschichte.

Und jetzt das Wichtigste: Warte nicht, bis alles perfekt ist. Starte mit einer klaren Hauptfigur, einem Ziel und einem Problem – und schreib los. Du wünschst dir Hilfe und Anleitung bei der Ausarbeitung deines Romans? Dann hole dir für 0 Euro meine Plot-Checkliste!

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