Ab wann darf sich ein Buch überhaupt „Roman" nennen? Wer hat den allerersten der Weltgeschichte geschrieben? Und warum landete ausgerechnet Harry Potter erst mal auf zwölf Ablehnungsstapeln? Seit 2021 begleite ich Romane als Lektorin und Buchcoach beim Romanschreiben und habe mit „Leuchtturm der vergessenen Wünsche" selbst einen veröffentlicht. Nach all den Manuskripten, Büchern und Buchmessen kann ich dir sagen: Rund ums Romanschreiben ranken sich jede Menge interessante Fakten und kuriose Geschichten. Höchste Zeit für eine wilde Faktensammlung!

Hier habe ich über 100 Fakten zusammengetragen – manche kurios, manche überraschend, manche direkt aus meiner eigenen Autorinnen-Praxis. Von der Antike bis zu BookTok, von „Head-Hopping" bis zur Kinderschokolade zwischen den Kapiteln. Wo es möglich war, habe ich die Quellen verlinkt. Klicke dich gern durch und mache dir dein eigenes Bild.

Aber jetzt erstmal viel Spaß mit den 119 Fun Fäcts zum Romanschreiben!

Verpasse nie wieder Blogartikel und Tipps von mir: Abonniere meinen Newsletter, das „Mittwochs-Aha“!

Wie das Romanschreiben erfunden wurde

  1. Als „Erfinder" des strukturierten Plottens gilt Aristoteles: Schon um 335 v. Chr. legte er in seiner „Poetik" fest, wie eine Geschichte aufgebaut sein muss, um zu fesseln. Sein Kern: Eine gute Handlung braucht einen klaren Anfang, eine Mitte und ein Ende und sollte ein in sich geschlossenes Ganzes ergeben – mit einem Wendepunkt (Peripetie) und einer Erkenntnis der Hauptfigur.
  2. Schon die Antike kannte den Roman: „Satyricon" von Petron (1. Jh. n. Chr.) und „Der goldene Esel" von Apuleius (um 170 n. Chr.). Letzterer ist der einzige vollständig erhaltene Roman in lateinischer Sprache.
  3. Als erster Roman der Weltgeschichte gilt oft „Die Geschichte vom Prinzen Genji" (um 1004–1021) der japanischen Hofdame Murasaki Shikibu. Kurios: Der erste Roman der Welt stammt damit von einer Frau – und wird von manchen sogar als erster psychologischer Roman betrachtet.
  4. Erst der Buchdruck mit beweglichen Lettern (Gutenberg, um 1450) machte Bücher – und damit Romane – überhaupt für viele Menschen erschwinglich.
  5. „Don Quijote" von Cervantes (1605/1615) gilt als Ursprung des modernen Romans – und als einer der meistverkauften und meistübersetzten Romane aller Zeiten.
  6. Daniel Defoes „Robinson Crusoe" (1719) wird oft als erster englischer Roman bezeichnet und markiert den Beginn des realistischen Erzählens. Schon im Erscheinungsjahr gab es vier Auflagen.
  7. Im 18. Jahrhundert boomte der Briefroman: Geschichten, die komplett aus Briefen der Figuren bestehen. Berühmte Beispiele sind Samuel Richardsons „Pamela" (1740) und Goethes „Werther" (1774).
  8. Charles Dickens veröffentlichte seine Romane im 19. Jahrhundert in monatlichen Fortsetzungen in Zeitschriften – für je einen Shilling. Weil er pro Folge bezahlt wurde und die Hefte so günstig waren, konnten sich plötzlich auch einfache Leute Romane leisten.
  9. Den nächsten großen Sprung brachte 1935 die Taschenbuch-Revolution: Allen Lane gründete Penguin Books und verkaufte hochwertige Romane für sechs Pence – so viel kostete eine Packung Zigaretten.
  10. Ein bis heute prägendes Erzählmodell ist die Heldenreise: Der Mythenforscher Joseph Campbell beschrieb 1949 in „The Hero with a Thousand Faces" 17 Stationen. Im Kern verlässt die Held:in die vertraute Welt, besteht draußen Prüfungen, scheitert, lernt – und kehrt am Ende verwandelt zurück.
  11. Der Drehbuchautor Christopher Vogler vereinfachte Campbells Modell später auf 12 Stationen – heute die am weitesten verbreitete Form in Romanen, Filmen und Serien.
  12. Der längste Roman der Welt ist laut Guinness-Buch Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" (1913–1927): Er hat rund 1,2 Millionen Wörter auf sieben Bänden.

Von „Roman“ bis „Cliffhanger“: Woher die Begriffe kommen

  1. Der deutsche und der englische Begriff meinen dasselbe – und kommen doch von komplett verschiedenen Ideen: „Roman" stammt von „lingua romana", der Volkssprache im Römischen Reich (eine Erzählung fürs Volk, nicht im vornehmen Latein). Das englische „novel" dagegen kommt vom italienischen „novella" – „Neuigkeit, neue Geschichte". Für die einen ist der Roman also „das Volkstümliche", für die anderen schlicht „das Neue".
  2. „Belletristik" klingt fein – und ist auch so gemeint: Der Begriff kommt vom französischen „belles lettres", „schöne Literatur". Entstanden ist er im 17. Jahrhundert als eigenes Regal im Buchhandel – zwischen der trockenen Gelehrten-Fachliteratur und den billigen Groschenheften fürs einfache Volk. Heute meint Belletristik schlicht erzählende Literatur, im Gegensatz zum Sachbuch.
  3. „Protagonist" heißt wörtlich „der erste Schauspieler" (griechisch protos = erster, agon = Wettkampf). Und das war mal ganz konkret gemeint: Im frühen griechischen Theater gab es nur einen einzigen Schauspieler neben dem Chor. Erst Aischylos stellte ihm einen zweiten zur Seite, Sophokles einen dritten – mehr wurden es lange nicht.
  4. Diese nummerierten Rollen tragen bis heute Namen: Nach dem Protagonisten kamen der Deuteragonist (die zweite Rolle) und der Tritagonist (die dritte). Kurios: Jeder neue Schauspieler war eine kleine Theater-Revolution – plötzlich konnten mehr Figuren miteinander streiten, lieben und intrigieren.
  5. Der „Antagonist" ist der „Gegenhandelnde" – und mit dem Protagonisten eng verwandt: Beide stecken im griechischen agon, dem Wettkampf. Aus derselben Wurzel kommt übrigens auch das Wort „Agonie", der Todeskampf. Passt ja: Held und Gegenspieler ringen bis zum Schluss, auch wenn es im Roman nicht immer um Leben und Tod geht und der Antagonist nicht immer der Bösewicht sein muss.
  6. Wenn du eine Szene schreibst, benutzt du ein uraltes Theaterwort: Das griechische skene bedeutete zuerst „Zelt" oder „Hütte" – gemeint war der Bau hinter der Bühne, aus dem die Schauspieler traten und in dem sie sich umzogen. Aus der Umkleide-Hütte wurde mit der Zeit der „Schauplatz einer Handlung".
  7. Der „Cliffhanger" verdankt seinen Namen einer echten Klippe: In Thomas Hardys Fortsetzungsroman „A Pair of Blue Eyes" (1873) ließ der Autor eine Figur an einem Felsvorsprung hängen – und die Leser:innen mussten einen ganzen Monat bis zur nächsten Ausgabe zittern.
  8. Zum Standard wurde der Trick durch die US-Kinoserials der 1930er wie Flash Gordon, die jede Folge an der spannendsten Stelle abbrachen. Genau dasselbe macht heute jede Streaming-Serie am Ende einer Episode – nur ohne echte Klippe.
  9. Springst du beim Schreiben mitten in einer Szene von einem Kopf in den nächsten, nennt man das Head-Hopping – „Kopf-Hüpfen". Das Bild ist ziemlich wörtlich: Die Leser:innen werden ohne Vorwarnung aus einer Figur heraus- und in die nächste hineinbugsiert. Das ist einer der häufigsten Fehler, die mir im Lektorat unterkommen.
  10. Kippt eine Autorin auf einen Schlag ihr ganzes Welt- und Figurenwissen in den Text, heißt das Info-Dump – wörtlich „Info-Müllkippe". Das Kuriose daran: Es ist gar keine Handlung, sondern ein Loch in der Handlung, durch das man der Autorin beim Recherchieren zusieht.
  11. Zwischendurch in der Romanhandlung braucht deine Heldin einen Denkzettel – dafür gibt es den Pinchpoint (von englisch to pinch, kneifen). An diesen Stellen „kneift" die Geschichte die Figur und führt ihr vor Augen, wie stark der Gegner ist. Meist gibt es davon zwei, ungefähr im ersten und im zweiten Drittel.
  12. Der Tiefpunkt in einem Roman, an dem alles verloren scheint, heißt im Englischen „All-is-lost-Moment" oder – noch dramatischer – „Dark Night of the Soul". Diesen Begriff hat sich die moderne Dramaturgie bei einem spanischen Mystiker aus dem 16. Jahrhundert ausgeliehen – Johannes vom Kreuz beschrieb damit die dunkelste Stunde der Seele auf ihrem Weg zu Gott.

Der kleine Roman-Führerschein für Autor:innen

  1. Wie lang ist was? Grobe Faustregel: Eine Kurzgeschichte hat etwa 1.000 bis 7.500 Wörter, eine Novelle rund 7.500 bis 40.000, ein Roman ab 40.000. Für die Novelle gibt es sogar eine berühmte Definition von Goethe: „eine sich ereignete unerhörte Begebenheit" – also eine einzige, ungewöhnliche Begebenheit, kein breites Panorama.
  2. Ein Buch darf sich Roman nennen ab etwa 40.000 Wörtern (mit fortlaufender Handlung und Charakterentwicklung, so definiert es zum Beispiel tolino media). Kurios: Nach dieser Grenze wären manche „Weltromane" gar keine – Hemingways „Der alte Mann und das Meer" (~27.000 Wörter) und Kafkas „Die Verwandlung" (~21.000) würden streng genommen als Novellen gelten.
  3. Ein typischer Roman hat heute rund 80.000 Wörter. Das ergibt ungefähr 300 bis 400 Buchseiten. Zur Einordnung: Selbst mit Stephen Kings strammem Pensum von 2.000 Wörtern pro Tag (siehe Fakt 76) wären das gut 40 Schreibtage – nur schreibt kaum jemand so gleichmäßig durch.
  4. Es gibt drei zentrale Erzählperspektiven: die Ich-Perspektive, die personale (er/sie) und die auktoriale (allwissende). Und dann gibt es noch eine vierte, die sich kaum jemand traut: die Du-Perspektive („Du öffnest die Tür …"). Sie zieht Leser:innen mitten hinein – wird aber so selten benutzt, dass sie fast immer auffällt.
  5. Show, don't tell„Zeigen, nicht behaupten" – ist wohl die meistzitierte (und meistüberstrapazierte) Schreibregel überhaupt. Statt „Sie war traurig" also lieber die zitternde Hand am Kaffeebecher. Ich warne immer vor dem Dogma: Auch große Romane „tellen" ständig – die Kunst liegt in der Mischung. Tell hat absolut seine Berechtigung.
  6. Plot ist nicht gleich Handlung: Handlung ist, was passiert – Plot ist, warum. Der Autor E. M. Forster hat das 1927 unschlagbar erklärt: „Der König starb, und dann starb die Königin" ist eine Handlung. „Der König starb, und dann starb die Königin aus Kummer" ist ein Plot. Bei der Handlung fragst du „Und dann?", beim Plot „Warum?".
  7. Ein Konflikt hat nichts mit Streit zu tun – er entsteht schon, wenn eine Figur etwas will und es nicht sofort bekommt. Das kann sogar mutterseelenallein passieren: etwa, wenn deine Figur in der Wüste verdurstet und am einzigen Wasserloch eine Löwenfamilie campt. Klassisch unterscheidet man vier Sorten Konflikte: Figur gegen Figur, gegen die Natur, gegen die Gesellschaft – und gegen sich selbst.
  8. Der Antagonist muss kein Bösewicht sein: Im Liebesroman ist der „Gegenspieler" oft ausgerechnet der Love Interest, im Film „Cast Away" ist es schlicht die einsame Insel. Der beste Trick für glaubwürdige Gegenspieler: Sie halten sich selbst für die Held:innen ihrer eigenen Geschichte.
  9. Der emotionale Tiefpunkt der Geschichte sitzt meist bei rund 75 Prozent – im klassischen Drei-Akt-Modell am Ende des zweiten Akts. Genau hier liegt die „Dark Night of the Soul" aus Fakt 24: der Moment, in dem für die Held:in wirklich alles verloren scheint, bevor sie sich noch einmal aufrappelt.
  10. Ein gutes Foreshadowing (Vorausdeutung) fällt erst beim zweiten Lesen auf. Die berühmteste Regel dazu ist „Tschechows Gewehr": Wenn im ersten Akt ein Gewehr an der Wand hängt, muss es später auch abgefeuert werden – sonst hat es dort nichts verloren.

Romanschreiben: die verrücktesten Buchrekorde der Literaturgeschichte

  1. Agatha Christie ist die meistverkaufte Romanautorin aller Zeiten: rund 2 Milliarden Bücher in 44 Sprachen. Nur zwei „Autoren" haben sich je öfter verkauft – die Bibel und William Shakespeare. Ihr bester Einzeltitel, „Und dann gab's keines mehr", brachte es auf rund 100 Millionen Exemplare – der meistverkaufte Kriminalroman der Welt. Pikant: Christie selbst fand ihn am schwierigsten zu schreiben.
  2. Die produktivste Romanautorin überhaupt war vermutlich Barbara Cartland mit rund 723 Romanen – 1976 allein 23 Stück (Guinness-Rekord). Ihr Geheimnis: Sie diktierte im Liegen bis zu 8.000 Wörter an einem einzigen Nachmittag. Ihr Zuhause nannte sie spöttisch „die Fabrik".
  3. Auch Nora Roberts ist eine Schreibmaschine: über 200 Romane seit 1981 und mehr als 500 Millionen verkaufte Exemplare. 1986 war sie die allererste Autorin, die in die Ruhmeshalle der Romance Writers of America aufgenommen wurde.
  4. „Der kleine Prinz" ist nach der Bibel eines der meistübersetzten Bücher der Welt (mehrere hundert Sprachen) und wurde über 140 Millionen Mal verkauft. Berührend: Autor Saint-Exupéry war selbst Pilot – 1935 stürzte er in der Wüste ab und überlebte tagelang, bis ihn ein Beduine rettete. Genau dieser Absturz eröffnet die Geschichte. 1944 verschwand Saint-Exupéry auf einem Flug über dem Mittelmeer – für immer.
  5. Der (inoffiziell) längste Roman der Welt, „Marienbad My Love", umfasst 17 Bände mit rund 17,8 Millionen Wörtern – etwa 15-mal so viel wie bei Proust. Kein Wunder: Autor Mark Leach setzte ihn über 30 Jahre zusammen, teils aus fremden Textfragmenten. Offiziell hält deshalb weiter Proust den Guinness-Rekord.

Was du über deutschsprachige Roman noch nicht wusstest

  1. In Deutschland träumt fast jeder Zweite davon, ein eigenes Buch zu veröffentlichen: 49,1 % laut einer repräsentativen BoD-Umfrage. Überraschend: Es sind mehr Männer (52,8 %) als Frauen (45,4 %) – und bei den 25- bis 34-Jährigen sogar 56,4 %.
  2. 2024 erschienen in Deutschland 58.346 neue Buchtitel – das sind rund 160 neue Bücher. Pro Tag. Und das ist schon weniger als früher: 2007 waren es über 86.000.
  3. Ernüchternde Selfpublishing-Realität: Laut der Selfpublisher-Umfrage 2026 (1.389 Teilnehmende) verdienen 61 % der Selfpublisher:innen weniger als 50 € im Monat – und nur rund 7–8 % erreichen überhaupt vierstellige Monatsumsätze (ab 1.000 €). Und Achtung: Das ist der Umsatz, nicht der Gewinn. Vom Schreiben leben ist also die große Ausnahme.
  4. Erfolg ist im deutschen Selfpublishing weiblich: Von den finanziell erfolgreichsten Autor:innen (über 2.500 € Umsatz pro Monat) sind 69 % Frauen – was gut zum beliebtesten Genre passt (siehe nächster Fakt).
  5. „Love sells": Bei den erfolgreichsten Selfpublisher:innen sind die drei stärksten Genres unverändert Liebesroman, Krimi und Fantasy. Romance ist übrigens auch weltweit das meistverkaufte Belletristik-Genre.
  6. Meistgelesener deutschsprachiger Autor ist bis heute Karl May: über 70 Bücher, rund 200 Millionen verkaufte Exemplare. Er behauptete steif und fest, seine Abenteuer selbst erlebt zu haben – ließ sich als „Old Shatterhand" in voller Montur fotografieren und ging als seine eigene Romanfigur auf Vortragstour. Dabei hatte er den Wilden Westen nie gesehen: Amerika bereiste er erst 1908, kurz vor seinem Tod – und kam dabei nicht einmal westlich von Buffalo. Seine Fantasie reichte offenbar völlig.
  7. „Perry Rhodan" gilt als längste fortlaufende Geschichte der Welt: Seit 1961 erscheint fast jede Woche eine neue Folge – geschrieben von einem ständig wechselnden Autorenteam. Inzwischen sind es über 3.300 Heftromane, und die Serie wurde nach Verlagsangaben rund 2 Milliarden Mal verkauft (über 1 Milliarde allein in Deutschland). Wer heute einsteigen will, hat also einiges vor sich.
  8. Der erfolgreichste deutsche Roman ist „Das Parfum" von Patrick Süskind (1985): über 20 Millionen Mal verkauft, in rund 50 Sprachen. Aber der Autor ist ein Phantom – Süskind gibt praktisch keine Interviews, lässt sich nicht fotografieren und lehnte gleich mehrere Literaturpreise ab.
  9. „Das Parfum" stand rund neun Jahre lang auf der Spiegel-Bestsellerliste und schaffte es sogar auf die New-York-Times-Liste – der größte deutschsprachige Auslandserfolg seit Remarques „Im Westen nichts Neues".
  10. Der erste Bestseller-Hype der deutschen Literatur: Goethes „Die Leiden des jungen Werthers" (1774) machte ihn über Nacht europaweit berühmt. Es brach ein regelrechtes „Werther-Fieber" aus – junge Männer kleideten sich wie die Hauptfigur (blauer Frack, gelbe Weste), die Mode wurde in manchen Städten sogar verboten.

Romanschreiben: Vom Ablehnungsstapel zum Weltbestseller

  1. „Harry Potter" wurde von zwölf Verlagen abgelehnt, bevor Bloomsbury zusagte – und das auch nur, weil die achtjährige Tochter des Verlagschefs das erste Kapitel verschlang und unbedingt weiterlesen wollte. Große Teile schrieb Rowling als alleinerziehende Mutter in Edinburgher Cafés. Heute: über 500 Millionen Exemplare in mehr als 80 Sprachen.
  2. Übrigens: J. K. Rowling heißt eigentlich nur Joanne – einen zweiten Vornamen hat sie gar nicht. Das „K" (für Kathleen, ihre Großmutter) kam dazu, weil der Verlag fürchtete, Jungen läsen kein Buch einer Frau. Ihre Krimis schreibt sie heute unter dem Männernamen Robert Galbraith.
  3. Schon die Brontë-Schwestern versteckten sich hinter Männernamen: Currer, Ellis und Acton Bell. Ihr erster gemeinsamer Gedichtband (1846) verkaufte sich ganze zwei Exemplare – kurz bevor sie mit „Jane Eyre" und „Sturmhöhe" Literaturgeschichte schrieben.
  4. Auch Agatha Christie hatte ein Doppelleben: Unter dem Namen Mary Westmacott schrieb sie sechs Liebesromane – und hielt das Geheimnis fast 20 Jahre lang, bis eine Zeitung sie 1949 enttarnte.
  5. Und Nora Roberts veröffentlicht ihre Krimireihe als J. D. Robb. Kurios: Die Initialen „J. D." stammen von ihren Söhnen Jason und Dan, „Robb" ist die Kurzform von Roberts.
  6. Stephen King warf das Manuskript von „Carrie" in den Müllüberzeugt, es sei nicht gut genug. Seine Frau Tabitha fischte es wieder heraus. Damals lebte King mit seiner Familie im Wohnwagen und arbeitete als Lehrer; die Taschenbuchrechte brachten dann 400.000 Dollar – und den Durchbruch.
  7. Frank Herberts „Der Wüstenplanet" (Dune) sammelte 20 Absagen – bis ihn ausgerechnet ein Verlag druckte, der sonst vor allem Auto-Reparaturhandbücher herausbrachte (Chilton). Anfangs verkaufte er sich so schlecht, dass der zuständige Lektor gefeuert wurde. Heute ist es einer der meistverkauften Science-Fiction-Romane überhaupt.
  8. William Goldings „Herr der Fliegen" wurde von über 20 Verlagen abgelehnt – ein Verlagsgutachter notierte: „Absurde, uninteressante Fantasterei … Quatsch und langweilig." Ein junger Lektor fischte das Manuskript trotzdem aus dem Ablehnungsstapel und gab ihm seinen heutigen Titel. 1983 bekam Golding den Literaturnobelpreis.
  9. Mary Shelley begann „Frankenstein" mit gerade einmal 18 Jahren und veröffentlichte ihn mit 20 (1818) – zunächst anonym, weil Autorinnen kaum ernst genommen wurden. Entstanden ist er aus einem Geistergeschichten-Wettbewerb 1816 bei Lord Byron. Ganz nebenbei gilt er als einer der ersten Science-Fiction-Romane der Welt.
  10. Für „The Bestseller Code" ließen Jodie Archer und Matthew Jockers einen Algorithmus rund 20.000 Romane analysieren. Ergebnis: Bestseller teilen messbare Muster – klarer Themenfokus, alltagsnahe, aktive Sprache und einen sauberen emotionalen Rhythmus zwischen Höhen und Tiefen.
  11. Caroline Wahls Debütroman „22 Bahnen" wurde direkt zum Bestseller – und verfilmt. Einer der erfolgreichsten deutschen Debütromane der letzten Jahre und Beweis, dass es auch mit dem allerersten Buch groß werden kann.
  12. Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt" (2005) – über die Forscher Gauß und Humboldt – wurde mit rund 6 Millionen Exemplaren einer der größten Erfolge der deutschen Nachkriegsliteratur. 2006 war es laut New York Times sogar das zweitmeistverkaufte Buch der Welt.
  13. Sebastian Fitzek eroberte gleich mit seinem Debüt „Die Therapie" (2006) die Bestsellerlisten. Heute ist er Deutschlands erfolgreichster Psychothriller-Autor – über 21 Millionen verkaufte Bücher in 36 Sprachen – und war der erste deutsche Autor, der den Europäischen Preis für Kriminalliteratur bekam.
  14. Mona Kasten begann im Selfpublishing – und wurde damit zur Bestsellerautorin. Ihr Roman „Save Me" (2018) wurde als „Maxton Hall" für Prime Video verfilmt: Staffel 1 stürmte in über 120 Ländern auf Platz 1, Staffel 2 wurde die erfolgreichste internationale Prime-Original-Serie überhaupt. Ein Paradebeispiel, dass der Weg über Selfpublishing ganz nach oben führen kann.
  15. Mariana Lekys „Was man von hier aus sehen kann" (2017) wurde fast nur durch Mundpropaganda zum Phänomen – 65 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste. Schon die Prämisse ist kurios: Immer wenn eine Großmutter im Dorf von einem Okapi träumt, stirbt bald darauf jemand.

Kuriose Schreibgewohnheiten rund ums Romanschreiben

  1. Friedrich Schiller hatte faule Äpfel in seiner Schreibtischschublade – ihr Geruch inspirierte ihn. Seine Frau Charlotte bestätigte, er könne ohne diesen Duft nicht arbeiten.
  2. Agatha Christie tüftelte viele ihrer Krimi-Plots tatsächlich in der Badewanne aus – Äpfel essend. „I got my plots in the tub", verriet sie 1966 der New York Times.
  3. „Gadsby" (Ernest Vincent Wright, 1939) ist ein Roman mit über 50.000 Wörtern – komplett ohne den Buchstaben E, den häufigsten Buchstaben im Englischen. Wright band die E-Taste seiner Schreibmaschine fest, um sich nicht zu vertippen.
  4. Der Franzose Georges Perec legte 1969 nach: Sein Roman „La Disparition" kommt ebenfalls ganz ohne den Buchstaben „e" aus (ein sogenanntes Lipogramm). Sogar die englische Übersetzung „A Void" schafft das Kunststück – komplett ohne das häufigste Zeichen der Sprache.
  5. Jack Kerouac tippte die erste Fassung von „On the Road" in nur drei Wochen – auf eine einzige, rund 36 Meter lange Papierrolle, damit er beim Schreiben nie stoppen musste. Das Ende der Rolle fehlt bis heute – es wurde angeblich von einem Cocker Spaniel namens Potchky angefressen.
  6. Mark Twain war der erste Autor, der ein maschinengeschriebenes Manuskript einreichte (vermutlich „Leben auf dem Mississippi", 1883). Getippt hat er es nicht selbst – er schrieb per Hand, eine Schreibkraft übertrug den Text auf der Maschine. Twain selbst kam mit dem „Teufelsding" zeitlebens nicht zurecht.
  7. Honoré de Balzac schrieb angetrieben von Unmengen Kaffee. Er sagte, der Kaffee lasse seine Gedanken „wie Bataillone aufmarschieren".
  8. Vladimir Nabokov schrieb seine Romane auf Karteikarten – mit Bleistift, den er ständig neu anspitzte und wieder wegradierte. So konnte er Szenen beliebig umsortieren; sein letztes Werk entstand auf 138 solcher Karten. War das Hotelzimmer zu laut, setzte er sich zum Schreiben ins Auto.
  9. Victor Hugo ließ sich von seinem Diener die Kleider verstecken, um das Haus nicht verlassen zu können – und schrieb „Der Glöckner von Notre-Dame" fast nackt fertig, nur in einen großen Schal gehüllt.
  10. „Da Vinci Code"-Autor Dan Brown hängt sich bei Schreibblockaden kopfüber auf – mit sogenannten Gravity Boots an einer Stange (Inversionstherapie). In einem TODAY-Interview mit Matt Lauer (2009) erklärte er: Kopfüber „denkt man einfach anders", außerdem werde die Durchblutung im Kopf angeregt. Eine Sanduhr auf dem Schreibtisch erinnert ihn zusätzlich, jede Stunde Liegestütze und Dehnübungen zu machen.
  11. Bestseller-Autor Sebastian Fitzek gönnt sich zwischen jedem Kapitel ein Stück Kinderschokolade. Böse Zungen behaupten, seine Kapitel würden deshalb immer kürzer – „damit ich mehr Schokolade essen kann".
  12. Stephen King schreibt jeden einzelnen Tag 2.000 Wörter – und hört erst auf, wenn sie geschafft sind, egal wie lange es dauert. Diese Regel hat er in seinem Buch „Das Leben und das Schreiben" festgehalten.
  13. Ken Follett beginnt meist um 7 Uhr morgens („weil ich die Geschichte dann im Kopf habe") und braucht für einen Roman rund zwei Jahre. Über seine Arbeit sagt er: „Ich lebe tagsüber im Mittelalter."

Roman schreiben trotz Blockade: bewährte Tricks

  1. Ernest Hemingway soll gesagt haben: „Die erste Fassung ist immer Mist." Beruhigend, oder? Genau dafür gibt es die Überarbeitung. Ein anderer seiner Tricks ist bis heute Gold wert: Er hörte jeden Tag mitten im Satz auf – genau dann, wenn er schon wusste, wie es weitergeht. So startete er am nächsten Morgen nie vor einem leeren Blatt.
  2. Die Autorin Anne Lamott prägte den Begriff „Shitty First Drafts" (1994): Erlaube dir bewusst eine miese Rohfassung. Ihr Modell: erst der down draft (runterschreiben), dann der up draft (verbessern), dann der dental draft (jedes Detail prüfen).
  3. Ein Klassiker gegen Blockaden: die „Morning Pages" von Julia Cameron („The Artist's Way", 1992) – jeden Morgen drei Seiten handschriftlich frei schreiben, am besten bevor der innere Kritiker richtig wach ist.
  4. Mein persönlicher Geheimtipp aus dem Coaching: Schreibe vorsätzlich schlecht, zum Beispiel die kitschigste Liebesszene des Universums. Wenn du deinem inneren Perfektionisten Kitsch und Chaos servierst, läuft er auf – und plötzlich fließt der Text wieder.
  5. Freewriting heißt: 5 bis 15 Minuten ohne abzusetzen, ohne zu korrigieren, ohne Punkt und Komma schreiben – so trickst du den inneren Kritiker aus. Populär gemacht hat die Methode der Schreibforscher Peter Elbow schon 1973 – Jahre vor Cameron und Lamott.
  6. Steckst du fest, erzähl deine Geschichte einfach laut – der besten Freundin, dem Haustier oder der Zimmerpflanze. Beim Reden sortieren sich die Gedanken von selbst. Im Extremfall geht so sogar ein ganzer Roman: Der erblindete John Milton diktierte „Paradise Lost" komplett – er komponierte die Verse im Kopf und sprach sie Schreibern vor.
  7. Tanz die Blockade weg oder geh spazieren: Bewegung pustet den Kopf frei. Das ist sogar belegt – eine Stanford-Studie (2014) fand, dass Gehen die kreative Ideenproduktion um durchschnittlich 60 Prozent steigert.
  8. Lass deine Figur ein fiktives Tagebuch schreiben. Sobald du in ihrer Ich-Perspektive denkst, schlüpfst du richtig in ihre Haut – manche erklären das mit den vieldiskutierten „Spiegelneuronen" – und plötzlich verrät dir sogar eine sperrige Nebenfigur ihr Geheimnis.
  9. Wer sagt, dass man bei Kapitel 1 anfangen muss? Du darfst deinen Roman wie ein Puzzle schreiben – aus der Mitte oder vom Ende her. J. K. Rowling schrieb das allerletzte Kapitel von „Harry Potter" schon um 1990 – rund 17 Jahre vor Erscheinen des letzten Bandes.
  10. Schreiben mit der Hand aktiviert andere Hirnareale als das Tippen. Neil Gaiman schreibt seine ersten Fassungen bewusst mit Füller – so kann er nicht ständig löschen und feilen, sondern erzählt die Geschichte erst mal nur sich selbst.
  11. Der wirksamste Konter gegen den inneren Kritiker ist Selbstmitgefühl: Der Kritiker liebt Druck – Kreativität aber braucht Raum. Sprich mit dir wie mit deiner besten Freundin.
  12. Kurios, aber wahr: Dein Gehirn unterscheidet nicht zwischen Vorstellung und Realität. Deshalb kannst du dir Motivation – und ganze Szenen – einfach „herbeivisualisieren". Denselben Effekt nutzen übrigens Spitzensportler:innen mit ihrem mentalen Training.

Was beim Romanschreiben wirklich im Kopf passiert

  1. Fast alle Autor:innen kennen die „Sichtbarkeitsangst" – die Angst, mit dem eigenen Werk gesehen zu werden. Kurios aus der Hirnforschung: Soziale Zurückweisung tut buchstäblich weh. Eine berühmte Studie von Naomi Eisenberger zeigte, dass bei sozialem Ausschluss dieselbe Hirnregion aktiv wird wie bei körperlichem Schmerz.
  2. Weil man das eigene Manuskript als Teil der eigenen Identität empfindet, fühlt sich Kritik an der Geschichte an wie eine Ablehnung der Person dahinter.
  3. Weit verbreitet unter Autor:innen ist das Impostor-Syndrom: „Wer bin ich, dass ich ein Buch veröffentliche?" Den Begriff prägten 1978 zwei Psychologinnen (Pauline Clance und Suzanne Imes).
  4. Ein Buch ist leider niemals wirklich „fertig" – selbst nach 100 Jahren Überarbeiten nicht. Ich sage immer, aufzuhören ist eine Entscheidung, kein Zustand.
  5. Die erste 1-Sterne-Rezension kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Du kannst natürlich dann deprimiert die Decke über den Kopf ziehen. Oder du feierst sie, denn eigentlich gehörst du dann erst so richtig zum Club der Veröffentlichten. Verstehste?
  6. In jeder Romanfigur steckt ein Stück der Autorin – und sei es nur die Kaffeesucht oder ein blauer Drachenschlüsselanhänger, den man selbst besitzt.
  7. Im Roman darfst du alle Regeln brechen, die im echten Leben tabu sind: eine Affäre beginnen, jemanden umbringen oder dem Chef die Meinung geigen. Krimiautorinnen wie Agatha Christie haben auf dem Papier dutzende Morde begangen – völlig legal.
  8. Momo, Harry Potter und Pippi Langstrumpf waren alle mal nur ein einziger Gedanke. Pippi zum Beispiel erfand Astrid Lindgren aus dem Stegreif für ihre kranke Tochter Karin – die sich auch gleich den Namen ausdachte.

Was mich das Schreiben und Veröffentlichen gelehrt hat

  1. Dein innerer Kritiker ist eigentlich nicht dein Feind. Er ist – genau wie der innere Schweinehund – nur ein Persönlichkeits-Anteil, der dich beschützen will. Du brauchst ihn nicht zu bekämpfen, sondern nur zu wissen, wann er reden darf. Oft möchte der Kritiker einfach nur mal gesehen werden und gibt dann Ruhe.
  2. Der wichtigste Perspektivwechsel auf meinem Weg zu meiner Romanveröffentlichung war weg von dem Gedanken „Bin ich gut genug (für einen Verlag)?" hin zu „Was braucht dieses Buch, um in die Welt zu gehen?" Als ich diese Frage für mich beantworten konnte, hatte ich meinen Weg gefunden: das Selfpublishing!
  3. Du brauchst keinen Stempel von außen – keinen Verlagsvertrag –, um eine echte Autorin zu sein.
  4. „Einfach mal fragen" wurde auf dem Weg zu meiner Veröffentlichung und auch beim Vermakrten mein Mantra. Der Mut, einfach zu fragen, hat mir einen Platz in Buchhandlungen, Lesungen und sogar einen Zeitungsartikel eröffnet. Seitdem weiß ich: Mut wird belohnt.
  5. Ein Roman darf lange brauchen. Mein Exposé habe ich so oft überarbeitet, dass ich es irgendwann auswendig konnte. Geduld gehört eben zum Handwerk.
  6. Für mich ist die Überarbeitung die wichtigste Phase im ganzen Schreibprozess – erst da wird aus dem rohen Entwurf eine Geschichte, die auch andere begeistert. Bestsellerautor Michael Crichton („Jurassic Park") brachte es mal auf den Punkt: „Bücher werden nicht geschrieben, sondern umgeschrieben."
  7. Mein liebster Satz gegen die Aufschieberitis: Ein Herzchirurg wartet auch nicht auf die tägliche Inspiration, bevor er operiert – er macht es einfach. Der Künstler Chuck Close sagte es noch schärfer: „Inspiration ist was für Amateure – der Rest von uns taucht einfach auf und macht sich an die Arbeit."
  8. Ich kann nur zu Instrumentalmusik schreiben (am liebsten Hans Zimmer oder Yiruma). Sobald jemand singt, höre ich dem Text zu, statt selbst zu schreiben. Auch Wald-, Café- oder Regengeräusche steigern meinen Fokus.

„Leuchtturm der vergessenen Wünsche": Fun Fäcts hinter den Kulissen

  1. Ich schreibe meine Romane unter dem Pseudonym Anna Carlé. Ein zweiter Name kann dir Freiheit geben – ein Stück Abstand zwischen dir und der Geschichte, mit dem du mutiger und ungenierter schreibst.
  2. Mein Debütroman „Leuchtturm der vergessenen Wünsche" spielt in Südengland – an meinem Sehnsuchtsort. Was ich dabei gelernt habe: Wähl einen Schauplatz, für den dein Herz schlägt. Diese Begeisterung überträgt sich beim Schreiben ganz von selbst auf die Leser:innen.
  3. Im Mittelpunkt meines Buchs stehen zwei sehr unterschiedliche Frauen: die alte Leuchtturmwärterin Rosie und die 19-jährige June. Gerade der Kontrast trägt die Geschichte – ungewöhnliche Figurenkonstellationen sind oft ein Gewinn, kein Risiko.
  4. Die Idee für mein Buch hatte ich schon 2019 – und war felsenfest auf einen Verlag fixiert. Selfpublishing? Kam für mich zuerst überhaupt nicht infrage. Aber: Der Weg, den du dir am Anfang ausmalst, muss nicht der sein, der dich glücklich macht – bleib unterwegs offen.
  5. Von Agenturen bekam ich widersprüchliches Feedback: Leuchtturmwärterin Rosie sei mit Anfang 60 zu alt, die andere Hauptfigur June mit 19 zu jung – dafür gäbe es keine Zielgruppe. Erst hat es mich genervt, aber dann hab ich mir gedacht: Wenn sich Rückmeldungen komplett widersprechen, ist das das Zeichen, der eigenen Vision zu vertrauen. (Am Ende habe ich mich fürs Selfpublishing entschieden und 2024 veröffentlicht.)
  6. Vier Wochen vor dem Drucktermin platzte meine Druckerei – ausgerechnet auf der Leipziger Buchmesse. Gerettet hat mich spontan eine dänische Druckerei (mit 50 % Neukundenrabatt!). Pannen gehören zu jedem Buchprojekt dazu – und der rettende Plan B taucht oft genau dann auf, wenn du weitergehst, statt aufzugeben.
  7. Vor der Buchhandlung in Offenburg schlich ich tagelang herum, bevor ich mich hineintraute – und dann bestellte der Buchhändler sofort fünf Exemplare. Auch das weiß ich heute: Das gefürchtete „Nein" bleibt erstaunlich oft aus. Fragen kostet nichts außer Überwindung.
  8. Meine Lesungsplakate habe ich mit Kapuze und Tesafilm heimlich am Schwarzen Brett im Edeka in meinem Dorf aufgehängt, als wäre es etwas Verbotenes. Sichtbarkeit hat sich am Anfang oft peinlich angefühlt – aber der Mut kam dann mitten im Tun, nicht davor.
  9. Meine selbst geschriebene Pressemitteilung brachte innerhalb von 24 Stunden ein Interview mit meiner Lokalzeitung. Die lokale Presse ist viel offener für Debüts, als man denkt – wer fragt (oder eine gute Pressemitteilung schickt), wird überraschend oft gehört.
  10. Zu „Leuchtturm der vergessenen Wünsche" gibt es inzwischen auch ein Hörbuch - zwei Jahre nach der Veröffentlichung des Taschenbuchs. Eine Geschichte muss also nicht mit dem gedruckten Buch enden – ein Roman kann in vielen Formaten weiterleben und dabei ganz neue Leser:innen finden.

Warum ich fürs Romanschreiben brenne

  1. Book, book, hurra! Das ist mein Motto – und dahinter steckt meine Überzeugung: Gute Bücher machen die Welt ein Stückchen besser. Deshalb kann es gar nicht genug davon geben.
  2. Ich glaube, dass jede Geschichte, die in einer Schublade liegt, eine Geschichte zu viel ist. Irgendwo da draußen wartet ein Mensch genau auf deinen Roman – auf deine Stimme, deine Figuren, deine Art, die Welt zu sehen. Niemand erzählt so wie du. Das ist kein Werbespruch, das ist dein Alleinstellungsmerkmal.
  3. Romane trösten, verbinden und lassen den Alltag für ein paar Stunden verschwinden. Sie schenken Hoffnung, stoßen Gedanken an und bleiben manchmal ein Leben lang im Gedächtnis. Diese Kraft finde ich jedes Mal aufs Neue magisch.
  4. Und ich weiß, wie sich der Weg anfühlt – die Zweifel, das „Bin ich gut genug?", der Mut, den es braucht, sein Herzensprojekt in die Welt zu schicken. Ich bin selbst da durchgegangen. Genau deshalb begleite ich Autor:innen so gern: mit Klarheit, Herz und der festen Überzeugung, dass deine Geschichte es verdient, gelesen zu werden. Denn am Ende zählt nicht, ob alles perfekt ist. Es zählt, dass deine Geschichte den Weg zu den Menschen findet, für die sie geschrieben wurde.

Häufige Fragen zum Romanschreiben (FAQ)

Ab wann ist ein Buch ein Roman?

Als grobe Faustregel gilt ein Buch ab etwa 40.000 Wörtern als Roman – vorausgesetzt, es hat eine fortlaufende Handlung und eine Charakterentwicklung (so definiert es zum Beispiel tolino media). Darunter spricht man von einer Novelle (rund 7.500 bis 40.000 Wörter) oder einer Kurzgeschichte.

Wer schrieb den ersten Roman der Welt?

Als erster Roman der Weltgeschichte gilt oft „Die Geschichte vom Prinzen Genji" (Genji Monogatari), geschrieben Anfang des 11. Jahrhunderts (um 1004–1021) von der japanischen Hofdame Murasaki Shikibu. Der erste Roman der Welt stammt damit von einer Frau.

Wie viele Wörter hat ein Roman?

Ein typischer Roman hat rund 80.000 Wörter, das sind etwa 300 bis 400 Buchseiten. Kürzere Formen sind die Kurzgeschichte (1.000 bis 7.500 Wörter) und die Novelle (rund 7.500 bis 40.000 Wörter). Nach oben ist die Grenze offen: Fantasy-Romane kommen oft auf 100.000 Wörter und mehr.

Wie lange dauert es, einen Roman zu schreiben?

Das ist sehr unterschiedlich: Jack Kerouac tippte „On the Road" in nur drei Wochen, Pulitzer-Preisträgerin Donna Tartt braucht für jeden Roman rund zehn Jahre. Realistisch: Laut Selfpublisher-Umfrage 2026 benötigt über die Hälfte der Autor:innen vier Monate oder länger allein für die erste Rohfassung – die Überarbeitung kommt noch dazu.

Was ist der längste Roman der Welt?

Den offiziellen Guinness-Rekord hält Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" mit rund 1,2 Millionen Wörtern auf sieben Bänden. Inoffiziell noch länger ist „Marienbad My Love" mit rund 17,8 Millionen Wörtern – dieser Roman ist aber nicht offiziell anerkannt.

Lust auf mehr?

Ein Roman entsteht nicht aus Fakten, sondern aus Dranbleiben – und genau dabei begleite ich dich in meinem Newsletter. Jeden Mittwoch schicke ich dir mein „Mittwochs-Aha": einen kleinen Impuls, der deinen Roman ein Stückchen wachsen lässt.