Ich kralle die Hände um mein frisch gedrucktes Buch. Mein erster Roman, mein Selfpublishing-Debüt. Hinter mir der sichere Schatten der Offenburger Stadtmauer, vor mir der Eingang der Buchhandlung wie ein riesiger Schlund. Nein, ich kann da nicht einfach reinlaufen und mich vorstellen. Absurd. Niemand bestellt das Buch einer unbekannten Selfpublisherin. Lektion Nummer eins in der Welt der Veröffentlichungen. Das weiß doch jeder! Ich schüttele den Kopf und stoße einen tiefen Seufzer aus.

Trotzdem starre ich weiter auf den Eingang, der sich öffnet und schließt wie ein magisches Portal. Ein Brennen fährt durch meine Brust. Verdammt, wenn ich es jetzt nicht mache, dann bleibt das für immer ein Traum! Ich schlucke. Seit Tagen schleiche ich hier schon rum und schaffe es nicht, diese Buchhandlung zu betreten. In das Brennen mischt sich auf einmal Trotz und ich setze mich in Bewegung. Ich weiß genau: Wenn ich es heute nicht mache, dann mache ich es nie.

Mit Herzrasen betrete ich das Geschäft, steuere auf einen jungen Mann am Computer zu, bevor ich es mir anders überlege und einfach nur wegrenne. „Hallo, ich bin Anna Carlé und komme von hier. Ich habe einen Südengland-Roman geschrieben, der in Kürze erscheint.“ Ich ziehe ein paar Leseproben aus der Tasche, halte sie ihm hin und erkläre kurz, worum es in der Geschichte geht. „Klingt spannend“, antwortet er sofort und sucht in seinem Computer nach dem Titel. „Ich bestell mal fünf Stück." Fast wäre ich direkt im Laden ohnmächtig geworden. Wie bitte? So einfach geht das?

Ja, manchmal reicht es, mutig zu sein und einfach zu fragen.

Hast du auch Momente erlebt, in denen du gezittert und dich trotzdem getraut hast? Dann mach mit bei meiner Blogparade „Meine mutigsten Momente als Autorin"! Ich freue mich sehr auf deine persönlichen Mut-Erlebnisse. Nicht, weil sie beeindruckend sein muss, sondern weil jede Geschichte zählt."

Kein Warten mehr auf den Verlags-Ritterschlag

Dabei hatte ich das gar nicht vor. Selfpublishing? Nein, danke. Als ich 2019 mit der Idee zu „Leuchtturm der vergessenen Wünsche" anfing, stand für mich eines fest: Dieses Buch kommt in einen richtigen Verlag. Mit Vertrag, Vorschuss und dem Stempel, der aus einem Manuskript ein echtes Buch macht. Und aus mir eine echte Autorin. Alles andere wäre absurd gewesen! Für mein Ziel hab ich fast verbissen alles Erdenkliche gemacht: Kurse bei Verlagsmenschen, um Kontakte zu bekommen und natürlich entdeckt zu werden. Pitches auf Autorenmessen und unzählige Bewerbungen bei Agenturen. Ich habe mein Exposé so oft überarbeitet, dass ich es irgendwann auswendig konnte.

Aber der Vertrag kam nicht. 🤷🏼‍♀️

Stattdessen: Interesse mit widersprüchlichen Rückmeldungen, bei denen mir schwindelig wurde. Die einen sagten: zu wenig Drama. Die anderen: zu viel. Meine Protagonistin, Leuchtturmwärterin Rosie, sei zu alt. Die andere Protagonistin, June, mit ihren 19 Jahren, zu jung. Dafür gäbe es keine Zielgruppe. Das müsste ich umschreiben. Ich versuchte, allem irgendwie gerecht zu werden – und verlor dabei immer mehr meine eigene Stimme. Meine Geschichte fühlte sich nur noch sperrig und unzureichend an. Im Herbst 2022 wollte ich Rosie und June nur noch vergessen. Die beiden Frauen, die ich mit so viel Herzblut geschrieben hatte – ich war es leid. Erschöpft, frustriert, fertig.

Aber die beiden haben mich nicht in Ruhe gelassen. Immer wieder klopften sie bei mir an, in den unmöglichsten Momenten. Als würden sie flüstern: Vergiss uns nicht. Unsere Geschichte ist noch nicht vorbei. Nach langen Abenden, Gesprächen mit Freundinnen und einer sehr ehrlichen Nacht mit mir selbst habe ich eine Entscheidung getroffen: Wenn kein Verlag dieser Geschichte ein Zuhause geben will – dann baue ich ihr selbst eins. Richtig. Mit allem, was dazugehört. Das war kein großer dramatischer Moment. Eher eine leise, sehr klare Verschiebung. Von „Bin ich gut genug für einen Verlag?" zu „Was braucht dieses Buch, um in die Welt zu gehen?"

Dieser Gedanke hat für mich alles verändert. Und falls du gerade selbst an einem ähnlichen Punkt stehst: Du brauchst keinen Stempel von außen, um eine echte Autorin zu sein. Das Einzige, was zählt, ist deine Entscheidung für den echten Weg, der deiner Geschichte dient – und der Mut, genau das durchzuziehen.

Die Rettung des geplatzten Druckauftrags

Leipzig, Buchmesse. Vier Wochen vor dem Drucktermin meines Romans "Leuchtturm der vergessenen Wünsche". Ich starre auf mein Handy. Um mich herum verschwimmt alles. Nein! Erst warte ich ewig auf das Angebot der Druckerei und jetzt das! Viel zu teuer! Und jetzt? Wie in Trance stecke ich das Handy weg und irre verzweifelt durch die Hallen, vorbei an Verlagen, Dienstleistern, Bücherstapeln. Verabschiede mich innerlich von meinem Traum. Ohne Druckerei kein Taschenbuch. Woher soll ich so schnell bezahlbaren Ersatz nehmen? Plötzlich taucht vor mir der Stand einer dänischen Druckerei auf wie eine Fata Morgana. Den Namen hatte ich noch nie gehört.

Ich schüttelte den Kopf. Auf gar keinen Fall. Das kann nur ein Desaster werden, oder? Die andere Druckerei kannte ich – da hatten schon Autorenkolleg:innen gedruckt. Aber die hier? Ich gehe weiter. Ein paar Meter weiter drehe ich um. Gebe mir einen Ruck. Was habe ich schon zu verlieren? Ich schildere am Stand meine Situation, etwas fahrig, etwas zu schnell. Die Dame lächelt mich verständnisvoll an, zeigt mir Beispieldrucke, erklärt mir Papiersorten und Farbqualität. Dann geht sie an ihren Rechner und tippt was ein. „Kriegen wir hin, aber sie müssten sich bis morgen entscheiden." Pause. „Als Neukundin bekommen Sie sogar 50 Prozent Rabatt." Ich schnappe nach Luft. What?? 😅

Zwei Tage später schicke ich die Druckdatei, fünf vor 12 Uhr, gerade noch rechtzeitig. Alles klappt, das Taschenbuch wird rechtzeitig an meinen Vertriebspartner ausgeliefert. Mit Klappenbroschur. In genau der Qualität, die ich mir erträumt hatte. Und ich wäre um ein Haar nicht an diesem Stand auf der Messe stehengeblieben!

Vielleicht kennst du auch solche Momente: Du siehst eine Möglichkeit, aber dein Kopf sagt sofort: Das hat doch keinen Sinn. Also gehst du weiter. Oder du schleichst ein paar Mal vorbei, bevor du dich traust. Das ist kein Versagen – das ist Mut, der sich aufwärmt. Was ich heute weiß: Der erste Schritt zählt. Und die Frage: Was, wenn es gut wird? Ich wusste nicht, ob die dänische Druckerei ja sagen würde. Ich wusste nur, dass ich es nicht wissen würde, wenn ich nicht fragte.

Guerilla-Marketing: Mit Kapuze Lesungs-Plakate aufhängen

Ich sage euch, wie Guerilla-Marketing wirklich aussieht: Man sitzt im Auto, Kapuzenpulli übergezogen, Tesafilm in der einen Hand, selbstgedruckte Plakate in der anderen – und traut sich nicht raus. 😂 Es war kurz vor meiner ersten Lesung. Ich hatte die Veranstaltung organisiert, das Datum festgelegt, sogar ein Plakat gestaltet. Und nun saß ich auf dem Parkplatz vor dem Edeka in meinem Dorf und dachte: Was, wenn mich Nachbarn sehen? Was, wenn jemand fragt, was ich da tue? Was, wenn das alles furchtbar peinlich wird? Ich klappte die Kapuze hoch. Bewegte mich betont unauffällig. Schlich zum Schwarzen Brett. Als wäre das was voll Illegales und ich die Chefin einer Gangstertruppe.

Heute wundere ich mich darüber. Was genau hatte ich zu verbergen? Dass ich ein Buch geschrieben hatte und Leute einlud, es mit mir zu feiern? Aber so ist das mit dem Mut – er kommt manchmal erst, wenn man schon mittendrin ist. Dann muss man eben rumschleichen und Plakate aufhängen. Spoiler: Ich bin nicht verhaftet worden. Und die Nachbarn haben es auch nicht gemerkt.

So ist das, wenn man mittendrin ist: Ich hatte einen großen Dampfer in Bewegung gesetzt und der fuhr unbeirrt weiter. Die Lesungen kamen, und mit ihnen etwas, das ich nicht erwartet hatte: Ich hörte Ja. Überall ja. Zwei Cafés, eine Pfarrbücherei, die Organisatoren einer literarischen Nacht in einem Nachbarstädtchen – alle sagten sofort zu. Ich hatte mit Absagen gerechnet, mit Desinteresse, mit „Rufen Sie nochmal an". Stattdessen: Begeisterung darüber, dass eine Autorin in der Gegend wohnt. Die Abende wurden zauberhaft, die literarische Nacht fand draußen statt und es gab Häppchen und Prosecco. Und das Beste. Jeder Zweite kaufte mein Buch, auch wenn mal nur zehn Personen da waren. Für mich ein grandioser Erfolg.

Einfach mal fragen wurde mein Mantra.

Dasselbe Muster, eine andere Bühne: die Lokalzeitung meines Heimatortes im Münsterland. Ich schrieb eine Pressemitteilung – mit Klappentext, Cover, Kurzvita und ersten Leserstimmen – und mein Papa brachte sie vorbei. Auch wenn ich innerlich völlig überzeugt war, dass daraus nichts wird. Mit einem Selfpublishing-Debüt in der Zeitung landen? Das passiert nicht … Keine 24 Stunden später hatte ich eine Redakteurin am Telefon. Sie wollte ein Interview (hier kannst du den Artikel lesen). Es ist immer noch unwirklich, wenn ich daran denke. Aber heute weiß ich: Mut wird belohnt und meine Geschichte ist der Beweis.

Mach mit bei meiner Blogparade: Meine mutigsten Momente als Autorin!

Mut steckt an - was war deiner? Jetzt bin ich neugierig auf deine Geschichten. Sie können auch leise sein, Hauptsache, sie sind echt. Momente, bei denen du vielleicht die Augen verdreht und gedacht hast: Das zählt doch nicht. Doch! Es zählt.

So nimmst du an dieser Blogparade teil:

  1. Schreibe einen Blogartikel über deine mutigsten Momente als Autor:in. Noch keinen Blog? Kein Problem – du kannst deinen Beitrag gerne direkt hier unten in den Kommentaren hinterlassen.
  2. Verlinke diesen Artikel in deiner Einleitung oder in deinem Fazit.
  3. Sobald dein Artikel veröffentlicht ist: Kommentiere hier unten mit einem kurzen Text und dem Link zu deinem Beitrag. Nur so kann ich ihn finden!

Die Blogparade endet am 2. August 2026. Bis dahin kannst du deinen Beitrag zu meiner Blogparade hier im Kommentarbereich hinterlassen.

Leitfragen zu meiner Blogparade

Du weißt noch nicht genau, wo du anfangen sollst? Hier sind ein paar Impulse, an denen du dich – wenn du möchtest – orientieren kannst. 

  • Wärst du heute noch mal genauso mutig – oder würdest du etwas anders machen?
  • Welche Momente waren deine mutigsten als Autor:in – und warum genau diese?
  • Was hast du in diesen Situationen gefühlt? Aufregung, Angst, Stolz – oder alles auf einmal?
  • Was (oder wer) hat dir den Mut gegeben, diesen Schritt zu gehen?
  • War es ein einzelner Moment – oder ein langer innerer Prozess, bevor du dich getraut hast?
  • Wie haben sich deine mutigen Schritte auf dich, dein Buch oder deinen Weg als Autor:in ausgewirkt?